Die Unendlichkeit des Augenblicks

Jetzt sitze ich also wieder im Flieger und es ist heute das erste Mal auf dieser einmaligen Reise, dass ich wieder ein wenig zur Ruhe komme. Zu intensiv waren die letzten Tage und zu unfähig war ich bislang all das Passierte halbwegs einzuordnen. Diese volle Dröhnung Adrenalin treibt mir auch jetzt wieder, während ich auf meinem Smartphone tippen, Tränen in die Augen.

Diese Gier, diese Hoffnung und dieses Flehen der Sehnsucht nach DEM einen unvergesslichen Moment umtreibt wohl nicht nur mich. Goethe hat ein ganzes Buch darüber geschrieben und er bzw. sein Protagonist hätten es treffender nicht benennen können: „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch du bist so schön. Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“

Die Fesseln haben sich am Donnerstag um mich gelegt. Ich war gefesselt, ich bin gefesselt und ich werde auch wohl noch lange gefesselt sein von Erinnerungen, Emotionen, Glückseligkeit, Dankbarkeit und unendlicher Freude, die in den letzten 50+ Stunden auf mich eingeprasselt sind.

Jahrzehnte haben wir diesen Tag herbeigesungen, haben immer daran glaubt, dass es eines Tages passieren wird. Und so waren sie dann folgerichtig alle in London. Sie, die wir gemeinsam in den letzten 15 Jahren so viele Stunden auf Autobahnen, in Fahrradabteilen und Kneipen verbrachten. Sie, denen kein Weg zu weit war, egal wohin das Leben sie verschlagen hat. Sie, die der eigentliche Grund sind, warum ich mir sportliches Leid und Elend immer wieder antat. Sie, die wir uns auch nach Jahren, in denen wir uns aus der Augen verloren haben, in London um den Hals fielen und auf die Schultern klopfen. Sie, die mit mir sangen, klatschen und unvergessliche Stunden schufen, die viele so schnell nicht vergessen werden. Und natürlich Sie, die in der Nacht und am Tag danach mit mir in Pubs und in den Straßen Londons über alte Zeiten sprachen und in gemeinsamen Erinnerungen schwelgten.

Es war nicht dieser eine Moment, es waren unzählige Momente, die diesem Augenblick eine scheinbare Unendlichkeit verliehen haben.

Meine lieben Freunde, diese Zeilen sind für euch. Denn ohne euch wären es nur 90 Minuten Fußball gewesen. Aber mit euch wurden es Augenblicke für die Ewigkeit.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone

#effzehinternational

Vorwort (persönliche Entschuldigung)
Das hier geht an alle Ungeduldigen ich muss mich noch entschuldigen, wegen dem Mangel an Gelegenheiten mich zu huldigen…
Es ist unglaublich, aber es sind tatsächlich fast vier (4!!!) Jahre seit meinem letzten Beitrag vergangen. Wie konnte das passieren?
Nun ja, ich habe in der Zwischenzeit meine privaten und beruflichen Leben auf den Kopf gestellt, verweile seit einem Jahr im mittleren Westen und habe scheinbar ein wenig zu schnell die Zeit davonrasen lassen. Aber es gibt Gründe für meine literarische Rückkehr: Europapokal, wir spielen wieder im Europapokal…

Falsches Sparen
Im Sommer 2003 begann ich zu sparen. Nicht viel, aber jeden Monat ein bisschen. Zeitgleich versuchte man mir in der Berufsschule Weitsicht zu vermitteln. „Rückstellungen“, sagte der damalig für Rechnungswesen und Bilanzierung zuständige Lehrkörper, „sind besonders wichtig, damit zukünftige Aufwendungen, die in Höhe und Entstehung noch ungewiss sind, zukünftig beglichen werden können.“ Eins und eins zusammengezählt bedeutete das, wenn ich nicht sofort Rücklagen für zukünftige Europapokalspiele bilde, droht in absehbarer Zeit die Privatinsolvenz. So weit so gut. Zwar ließen die mageren Jahre der Ausbildung und des anschließenden Studiums das Konto nur in überschaubarem Maße anwachsen, die Notwendigkeit der Rückstellung wurde aber zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt und die monatlichen Einlagen sogar erhöht.
Nun sind es die Jahre der Erfahrung die einen lehren, dass Fehlentscheidungen beizeiten zu korrigieren sind. Europa, da konnte man sich sicher sein, wird es für den großen 1. FC Köln nicht geben, nein, sogar niemals mehr geben. Europapokal, wir spielen nie mehr im Europapokal…
Folgerichtig wurde am 10. Juli 2014 die Rückstellung zugunsten einen 120minütiges Nervenkitzels in Rio de Janeiro aufgelöst. Wenn nicht jetzt wann dann, lautete die Devise und eine ordentliche Stange Geld wanderte von meinem Sparbuch auf das Konto des CocaColaClubs, der den obig angedeuteten Abend voller Spannung per Charterflug möglich machte. Die Entscheidung sollte sich als zunächst sowohl wirtschaftlich als auch emotional als richtig erweisen. Weltmeister! Und die Reserven waren versiegt.

Eines Tages
Nach knapp fünfzehnjährigem Auf und Ab war ich nun nicht mehr trotzdem hier sondern vorrübergehend dort; genauer gesagt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. An sich eine risikolose Entscheidung die keine erneute Bildung von Rückstellungen erforderte. Die Konstante war ungebrochen und ausgerechnet diese Saison wird schon nichts passieren. Aber natürlich passierte was passieren musste: Der FC hat die Chance sich für Europa zu qualifizieren während ich, leidend wie ein Hund, am anderen Ende der Welt und mit den Nerven am Ende auf einem 5 Zoll Mobiltelefon einem Stream verfolgend auf den Straßen von Chicago hoffte und bangte, dass es endlich wieder passieren wird. Dann Jonas Hector, die Erlösung und unendlicher Jubel unweit des Willis Towers. Der erstbeste der meine Freude mit mir teilen musste war ein schwarzer Obdachloser der mehr nach Pisse als nach Bier roch. Aber das kennt man ja von diversen Touren durch die Bundesrepublik. Alles total egal, an diesem Tag wurde Geschichte geschrieben und es war klar, und daran gab es keine Zweifel, dass ich beim ersten Auswärtsspiel international dabei sein werde, komme was wolle.

Hier und jetzt
Die Zeiten des Hungertuchnagens sind mittlerweile vergangen, eine Karte für das erste internationale Auswärtsspiel seit 25 Jahren sollte unproblematisch in der Finanzierung sein. Vielmehr zeigt sich nun die Schwierigkeit der Anreise und ihrer Organisation. Wochenendticket, Bus oder Fahrrad (ein Gruß an die zwei Begleiter die mit mir nach Meppen radelten) fallen aus. Es bleibt nur der Interkotinentalflug, der mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen zur Geldverbrennung verkommt. Aber egal, international. Mittwochs hin, freitags zurück. Ein einfacher und effektiver Plan. Die Rechnung aber ohne den Wirt, äh die Fluggesellschaften gemacht. Und so werde ich zwei weitere Nächte in London bleiben und Europapokalluft einatmen, durch die Straßen schlendern und vor mich hinsingen: wir sind international…
Wer weiß, wann es (für mich) die nächste Möglichkeit dafür geben wird.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone

Heiligabendkick

Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich diesen Eintrag jetzt schreiben soll oder nicht. Es spricht vieles dafür das nachfolgende Geschehnis nicht in die Welt hinauszutragen. Aber letztendlich glaube ich, dass die Art und Weise wie Stefan mit der Situation umgeht, wahnsinnig beeindruckend ist und meinen höchsten Respekt abverlangt.
Alle Jahre wieder (diese Wortwahl ist meiner dreijährigen Nichte geschuldet, die in den letzten Tagen alle gängigen Weihnachtslieder hoch und runter gesungen hat und mir damit gleich mehrere Ohrwürmer implantierte) treffen wir uns am heiligen Abend mit einer Vielzahl junger Männer, um für ein paar Stunden gegen den Ball zu treten (oder gegen was anderes, weshalb man dann Heiligabend in den Notaufnahme verbringt; siehe mein erster Kommentar Strohwitwer). Initiiert hat diese wiederkehrenden, nicht einladungsbedürftigen, Treffen unser ehemaliger Deutschlehrer Stefan. Stefan ist der Pädagoge, der mich (und ganz sicher auch viele andere meiner Weggefährten) während meiner Schullaufbahn wie kein zweiter Lehrkörper (bei Lehrkörper muss ich zwangsläufig immer an Peter Nietnagel denken) geprägt hat. Daher ist es umso schöner, dass sich nach dem Abitur nicht einfach die Wege trennten, sondern mit dem Heiligabendkick ein langfristig verbindendes Element entwickelt hat.
So trafen wir uns auch heuer (tolles Wort! Der Stöger Peter wird es sicherlich auch lieben), sofern ich mich recht erinnere, zum zehnten Mal um zehn Uhr vor der Sporthalle. Zum ersten Mal fuhr auch Stefan mit dem Auto vor (von seinen ehemaligen Schülern kommt nie jemand mit dem Fahrrad. Alle viel zu faul und zu verkatert vom Vorabend, um überhaupt des Fahrradfahrens mächtig zu sein): „Jungs, meine Frau hatte einen Schlaganfall. Ich fahre jetzt ins Krankenhaus und hole sie ab. Mir geht es total dreckig und ich könnte die ganze Zeit heulen. Ich bin jetzt gekommen um euch die Halle aufzuschließen. Das hier ist eine Tradition und Traditionen dürfen nicht sterben. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Die Tradition muss weitergehen.“
Natürlich war die erste Reaktion, dass wir sagten, wir spielen dann auch nicht und machen einfach ein Jahr Pause. Aber Stefan bestand darauf, dass wir spielen. Und das ist der Punkt, der mich so wahnsinnig beeindruckt. Ein Anruf hätte genügt und die Telefonkette (kennt die noch jemand? Super Ding damals vor 20 Jahren. Heute postet man die zu verkündende Nachricht einfach auf Facebook) wäre angelaufen und jeder wäre informiert gewesen. Aber Stefan stellt sich der Situation und demonstriert in dieser für ihn so unheimlich schwierigen Zeit, dass es auch die kleinen Dinge im Leben sein können, die jenes so wertvoll machen. Chapeau! Ich ziehe meinen imaginären Hut vor dieser Einstellung zum Leben. Ich weiß nicht, ob ich das so könnte.

Bis zum Jahreswechsel wird wohl nicht mehr viel Erwähnenswertes passieren. Daher bin ich mal gespannt auf 2014. Es wird einiges passieren. Daher:

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone

Klebebildmafia und Derbysieg

Denke ich an Fortuna Düsseldorf, denke ich an Thorsten Judt. Thorsten Judt war omnipräsent: Auf dem Pausenhof, in der Musikschule, beim Fußballtraining. Einfach überall. Egal wo man hinkam, jeder hatte ihn mindestens fünfmal doppelt (müsste es nicht eigentlich fünffach über oder ähnlich heißen? Es sind ja auch nicht drei Zwillinge sondern Drillinge. Na ja, nicht immer so einfach mit der Sprache). Zumindest gefühlsmäßig war Thorsten Judt in jeder Panini-Tüte und somit mehr oder weniger untauschbar. Ich bin heute der festen Überzeugung, dass Thorsten Judt damals einen Deal mit der Klebebildmafia geschlossen hatte. Die Klebebildmafia bekam Betrag X von Thorsten Judt und im Gegenzug war dessen Konterfei in jeder Panini-Tüte obenauf. Durch diese wahnsinnige Präsenz und den dadurch gestiegenen Bekanntheitsgrat konnte Thorsten Judt eine höhere öffentliche Wahrnehmung erzielen und diese im Gehaltspoker auf seine Waagschale legen. Das dabei neu ausgehandelte Jahresnetto war folglich höher als das vorherige und somit das entsprechende Delta Y größer als Betrag X (alles andere hätte ja auch keinen Sinn gemacht). Der lachende Dritte war dabei aber die Klebebildmafia, die ihren Umsatz erhöhen konnte, weil jedes Klebetütchen faktisch mit einem Bild weniger ausgeliefert wurde (Thorsten Judt hatte ja schon jeder und war damit eine sammelbildtechnische Niete). Warum Oliver Kahn sich Jahre später juristisch gegen die Verwertung seines Bildes in jenen Tüten wehrte, bleibt mir ein Rätsel. Er hätte ebenso seine Verhandlungsposition verbessern und dafür sorgen können, das sein Bild auf dem Pausenhof, in der Musikschule, beim Fußballtraining zugegen war. Aber scheinbar hatte er nicht wie einst Thorsten Judt die sich bietenden Potenziale erkannt.
Nun hat der Thorsten Judt seinen sportlichen Zenit mittlerweile überschritten und die Zeiten sind sowieso auch ganz andere. Der FC grüßt mit sattem Vorsprung von der Tabellenspitze (es reicht sicherlich aus, wenn man den Zusatz „der zweiten Liga“ in Klammern packt) und die Fortuna ist aus der Bedeutungslosigkeit ihrer letzten Jahre zurückgekehrt. Und wie aus dem nichts ist da plötzlich ein Derby, das es zuvor nicht gab. Zumindest nicht für mich. Denn die Bedeutung eines Derbys kenne ich erst, seitdem ich selbst aktiv zum Fußball fahre. Als kleiner Junge vor der WDR2-Spieltagskonferenz ist regionale Rivalität nämlich gar nicht spürbar. So bedurfte es seiner Zeit, bis auch ich den Spielen in den anderen rheinischen Städten entgegenfieberte. Und jene Städte sind nun mal Leverkusen und Mönchengladbach. Von Düsseldorf konnte da gar nie die Rede sein, weil Düsseldorf in den letzten 15 Jahren sportlich einfach nix zu kamellen hatte. Aber da der FC auf dem Weg nach Europa die Beschleunigungsspur Zweite Liga nimmt, nehme ich dieses mir vollkommen neue Derby gerne mit. Jawohl, es war alles dabei was ein Derby so braucht: Mediales Vorspiel, gemeinsame Anreise mit alten und neuen Freunden, Atmosphäre im Stadion und vor allem ein Derbysieg zum Abschluss. Obwohl Ujah und Helmes vorlegen konnten, glich Düsseldorf zwischenzeitlich unerklärlich aus. Dass es dann doch noch zum Sieg reichte ist umso schöner. Klar, verdient war’s allemal, aber bei weitem nicht selbstverständlich.
So war der gestrige Tag doch etwas ganz besonderes und wird in bleibender Erinnerung stets mit den Worten Düsseldorf und Derbysieg einhergehen. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich in 15 Jahren: „Denke ich an Düsseldorf, denke ich an den 3:2 Derbysieg.“ Who knows…

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone

Zurück in der Kurve

Ich fahre jetzt seit elf Jahren aktiv zum FC. Aktiv bedeutet für mich, 17 Spiele und mehr pro Saison. Das ist jetzt nicht eine besonders lange Zeit, da ich ja mittlerweile kein Twen sondern ein Thirt (gibt es diese Einstufung eigentlich oder gilt mal ab 30 grundsätzlich als alt?) bin, sodass vermutlich manch einer nun spöttisch auf mich hinabblickt und auf eine deutlich längere Karriere seinerseits verweist. Allerdings halte ich dem entgegen, dass ich eben nicht aus dem klassischen Kölner Einzugsgebiet entstamme und daher nicht traditionsverpflichtend mit meinem Uropa seit Jahrzehnten regelmäßig in Müngersdorf einkehre.
Dort wo ich geboren und zur Schule gegangen bin, sieht man in der großen Pause mehr oder weniger nur Schals von Borussia Dortmund, Schalke 04, Werder Bremen und Bayern München. In Ausnahmefällen erspäht man auch mal einen Halswärmer vom VfB Stuttgart und dem Hamburger SV. Oder eben einen des 1.FC Köln. Dazu war allerdings ein Blick in den Spiegel nötig.
Dass der 1.FC Köln in jener Zeit sportlichen Erfolg für nicht notwendig erachtete, spielte mir bei meinen Missionarstätigkeiten nicht gerade in die Karten. So erinnere ich mich noch genau an den Moment beim Schulschwimmen in der dritten Klasse, als mir Magnus eröffnete, dass er nun kein 1.FC Köln Fan mehr sei, sondern Werder Bremen Fan. Rückblickend ein einschneidender Punkt in meinem Leben. Magnus war einer von zwei Rädelsführern und damit Meinungsbildner in meiner Klasse. Wäre es um Lieblingscomics oder Lieblingslied gegangen, ich hätte seine Meinung übernommen. Aber ich wurde nicht zum Opportunisten und hielt meinem 1. FC Köln die Treue. Als Neunjähriger war für mich also schon unumstößlich klar, dass es für mich keinen anderen Verein geben kann als den 1. FC Köln.
Zu meinem ersten Bundesligaspiel kam ich dann Anfang 1993, weil ich einen Elfmeter hielt und damit einen Turniersieg ermöglichte, der meinem Fußballtrainer Schnecke eine persönliche Genugtuung war und ich als Dank/Belohnung/Wasauchimmer ein Spiel im Stadion geschenkt bekam. Schnecke hieß eigentlich Andreas, aber so nannte ihn niemand. Schnecke fuhr regelmäßig zum Fußball. Überwiegend nach Gladbach, aber nicht ausschließlich. Wenn es möglich war ein Spiel im Stadion zu sehen, fuhr er hin. Dafür müsste ich mich eigentlich nochmals nachträglich bedanken, weil das ja nun mal nicht selbstverständlich ist. Mich für meinen Teil bringt nämlich nichts in den Gladbacher Fanblock. Darum jetzt hier und jetzt: Danke Schencke.
Nun ja, an jenem Abend verlor zwar der FC (an diesem Tag habe ich gelernt, dass man nicht 1. FC Köln Fan ist, sondern FC-Fan) sang- und klanglos gegen den FCK (als richtiger Fußballfan sagt man nämlich nicht den kompletten Namen eines Vereins, sondern beschränkt sich auf die unter Stadiongängern gebräuchlichen Abkürzungen), aber meine Liebe zu diesem Verein tat es keinen Abbruch. Immer wenn ich jemanden dazu nötigen konnte mit mir zum FC zu fahren, war ich Wochen vorher aufgeregter als zu Weihnachten oder meinem Geburtstag.
In den letzten Monaten musste ich FC-technisch etwas kürzer treten. Es gibt berufliche und private Gründe, die mich daran hinderten, jedes Wochenende im Stadion zu sein. Die beiden Spiele in Hamburg mitgerechnet, habe ich fünf Spiele verpasst, was glaube ich meine längste Serie der letzten elf Jahre ist. So war das Spiel gegen Dresden gestern das erste Highlight. Und ich muss eingestehen, ich war hinsichtlich meiner Kleidungswahl schlecht vorbereitet. In Stadionnähe parkend merkte ich doch recht schnell, dass es an er Kölner Frischluft deutlich kälter war als im Büro im Oberbergischen. Einer der beiden auf halber Fahrstrecke eingesammelten Freunde kommentierte meine Kälteflüche mit einem „sollte nicht so verwunderlich sein im Dezember“.  Der obligatorische rot-weiße Schal konnte zumindest den Hals wärmen, die Jackenkapuze meinen Kopf und die mir glücklicherweise an diesem Spieltag übergebenen Choreo-Handschuhe meine Finger. Blieben nur noch die kalten Füße. Und da hatte der FC ausnahmsweise mal mitgedacht und an diesem Tag die schönen roten Kuschelstoppereffzehsocken im Angebot. Keine fünf Euro und schließlich waren auch meine Füße eingehüllt.
Dass es mir letztendlich auch noch warm ums Herz wurde lag an den elf rot-weißen Göttern auf dem schönsten Grün in Müngersdorf. Das 1:0 sah schon im Stadion sowas von technisch hochkarätig aus, dass ich mich bereits im Moment des Tores auf die Wiederholung im TV freute. Und ja, den kann man mal so machen. Spielerisch überzeugend, wenn auch es schon bessere Spiele in diesem Jahr gab, konnte Dresden samt seines Weltklassetorzwerges besiegt werden. Gut gemacht, ein weiterer Schritt richtig Sonnenseite des Fußballs.

Für den Sonntag in einer Woche habe ich mir mein nächstes Highlight gesetzt. Das letzte Sportliche in diesem Jahr. Wobei es um weitaus mehr geht als um 90 Minuten Fußball.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone

Strohwitwer

Seit vorgestern bin ich nun also Strohwitwer. Meine Lebensabschnittgefährtin (Herrgott, lass sie niemals diesen Blog finden) probiert sich für sechs Monate in der weiten Welt. Meine einstigen Kommilitonen werden jetzt bewundernd aufschauen und mich beglückwünschen zu einer Freundin, die es sich vornimmt, ein halbes Jahr in einer Kneipe zu verbringen. Freunde, lasst euch gesagt sein, die weite Welt ist in diesem Fall kein Anlaufpunkt im Ostwestfälischen. Die weite Welt ist dort, wo sich das Wasser angeblich gegen den Uhrzeigersinn in den Abfluss schlängelt, dort wo jetzt Sommer ist und eben nicht dieses fies nasskalte, bald schlammmatschige Winterdepressionswetter.
Man kann sagen was man will, aber den Zeitpunkt hätte sie auch schlechter wählen können. Zumindest aus meinem Blickwinkel betrachtet. Gerade ihre Muttiiiii weiß nicht, wie sie Weihnachten ohne Ihre Tochter überstehen soll. Da ich Weihnachten traditionell bei meinen Eltern unterm Weihnachtsbaum (natürlich vollkommener Mist. Daneben! Habe noch niemanden Weihnachten unterm Weihnachtsbaum liegen sehen. Okay, meinen Vater vor ein paar Jahren, als er nach zu vielen Mariacron >>>frohe, hicks, Weihnachten<<< auf die Idee kam, den Weihnachtsbaum zu gießen und dabei das halbe Wohnzimmer überflutete. Aber das ist ja nun mal nicht die Regel und rechtfertigt daher auch nicht diese sachlich falsche Ausdrucksform, die nun aber doch viel zu weit verbreitet zu sein scheint), in der Notaufnahme (Fußball spielen am Heiligen Abend birgt nun mal gewisse Risiken) oder bei Ulli im Rock-Café verbringe, stellt ihre Abwesenheit über die Feiertage für mich in diesem Fall keine große Abwandlung meiner Gewohnheiten dar. Viel mehr erspart es mir schlaflose Nächte, die ich diesmal nicht für die Geschenkideenfindung einplanen muss.
Strohwitwer. Dieses Wort war bis letzte Woche gar kein Teil meines aktiven Wortschatzes. Klar, ich hatte es schon mal gehört, war mir sogar dessen Bedeutung bewusst. Aber selbst genutzt hatte ich dieses Wort bisher kein einziges Mal. Marc hat es aber jetzt angewandt. „Wie ist es so als Strohwitwer?“ Okay, Marc ist deutlich älter als ich es bin. Fünf Jahre, fünf Monate und 13 Tage, was ja wiederrum fast eine Drittelgeneration ist. Und Marc kommt vom Dorf, bzw. aus einer Stadt, in der sich dörflich verhalten wird. Schützenfest, Jahrmarkt und all diese peinlich anmutenden, wiederkehrenden Veranstaltungen, bei denen man so radikale Worte wie Strohwitwer verwendet. Aber dieses Wort ist nun mal voller Dramatik und ich frage mich, ob es mir als jemand, der nicht weiß dass er Strohwitwer ist sondern nur die Erkenntnis besäße, dass die eigene Freundin für sechs Monate im Ausland ist, besser erginge.
Wobei es mir momentan alles andere als schlecht geht. Ich habe seit gestern eine TKP (ich liebe diese Abkürzung) und eine Mikrowellenlasagne als Hauptmahlzeiten zu mir genommen. Das, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen wie ungesund es doch sei. Ich habe ohne Widerworte gestern den ganzen Abend  DSF geschaut. Und heute kann ich durch Foren und Blog schlendern; ohne ein einziges „Du und dein 1. FC Köln“ von der anderen Seite des Sofas zu vernehmen.
Nein, schlecht ist das mit Sicherheit alles nicht. Noch nicht. Mal abwarten, wie lange es Spaß macht Strohwitwer zu sein.

Dieser Blog soll ein Selbstversuch sein, eine Reflektion auf die Highlights, die ich mir für die nächsten Monate vorgenommen habe. Und insbesondere bin ich auf mich selbst gespannt, wie sehr das Feuer des Schreibens und der Wortakrobatik noch in mir brennt.

Mein erstgesetztes Highlight steht schon am Freitag ins Haus. Zu Haus. Gegen die SG Dynamo Dresden.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone