Klebebildmafia und Derbysieg

Denke ich an Fortuna Düsseldorf, denke ich an Thorsten Judt. Thorsten Judt war omnipräsent: Auf dem Pausenhof, in der Musikschule, beim Fußballtraining. Einfach überall. Egal wo man hinkam, jeder hatte ihn mindestens fünfmal doppelt (müsste es nicht eigentlich fünffach über oder ähnlich heißen? Es sind ja auch nicht drei Zwillinge sondern Drillinge. Na ja, nicht immer so einfach mit der Sprache). Zumindest gefühlsmäßig war Thorsten Judt in jeder Panini-Tüte und somit mehr oder weniger untauschbar. Ich bin heute der festen Überzeugung, dass Thorsten Judt damals einen Deal mit der Klebebildmafia geschlossen hatte. Die Klebebildmafia bekam Betrag X von Thorsten Judt und im Gegenzug war dessen Konterfei in jeder Panini-Tüte obenauf. Durch diese wahnsinnige Präsenz und den dadurch gestiegenen Bekanntheitsgrat konnte Thorsten Judt eine höhere öffentliche Wahrnehmung erzielen und diese im Gehaltspoker auf seine Waagschale legen. Das dabei neu ausgehandelte Jahresnetto war folglich höher als das vorherige und somit das entsprechende Delta Y größer als Betrag X (alles andere hätte ja auch keinen Sinn gemacht). Der lachende Dritte war dabei aber die Klebebildmafia, die ihren Umsatz erhöhen konnte, weil jedes Klebetütchen faktisch mit einem Bild weniger ausgeliefert wurde (Thorsten Judt hatte ja schon jeder und war damit eine sammelbildtechnische Niete). Warum Oliver Kahn sich Jahre später juristisch gegen die Verwertung seines Bildes in jenen Tüten wehrte, bleibt mir ein Rätsel. Er hätte ebenso seine Verhandlungsposition verbessern und dafür sorgen können, das sein Bild auf dem Pausenhof, in der Musikschule, beim Fußballtraining zugegen war. Aber scheinbar hatte er nicht wie einst Thorsten Judt die sich bietenden Potenziale erkannt.
Nun hat der Thorsten Judt seinen sportlichen Zenit mittlerweile überschritten und die Zeiten sind sowieso auch ganz andere. Der FC grüßt mit sattem Vorsprung von der Tabellenspitze (es reicht sicherlich aus, wenn man den Zusatz „der zweiten Liga“ in Klammern packt) und die Fortuna ist aus der Bedeutungslosigkeit ihrer letzten Jahre zurückgekehrt. Und wie aus dem nichts ist da plötzlich ein Derby, das es zuvor nicht gab. Zumindest nicht für mich. Denn die Bedeutung eines Derbys kenne ich erst, seitdem ich selbst aktiv zum Fußball fahre. Als kleiner Junge vor der WDR2-Spieltagskonferenz ist regionale Rivalität nämlich gar nicht spürbar. So bedurfte es seiner Zeit, bis auch ich den Spielen in den anderen rheinischen Städten entgegenfieberte. Und jene Städte sind nun mal Leverkusen und Mönchengladbach. Von Düsseldorf konnte da gar nie die Rede sein, weil Düsseldorf in den letzten 15 Jahren sportlich einfach nix zu kamellen hatte. Aber da der FC auf dem Weg nach Europa die Beschleunigungsspur Zweite Liga nimmt, nehme ich dieses mir vollkommen neue Derby gerne mit. Jawohl, es war alles dabei was ein Derby so braucht: Mediales Vorspiel, gemeinsame Anreise mit alten und neuen Freunden, Atmosphäre im Stadion und vor allem ein Derbysieg zum Abschluss. Obwohl Ujah und Helmes vorlegen konnten, glich Düsseldorf zwischenzeitlich unerklärlich aus. Dass es dann doch noch zum Sieg reichte ist umso schöner. Klar, verdient war’s allemal, aber bei weitem nicht selbstverständlich.
So war der gestrige Tag doch etwas ganz besonderes und wird in bleibender Erinnerung stets mit den Worten Düsseldorf und Derbysieg einhergehen. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich in 15 Jahren: „Denke ich an Düsseldorf, denke ich an den 3:2 Derbysieg.“ Who knows…

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone