Heiligabendkick

Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich diesen Eintrag jetzt schreiben soll oder nicht. Es spricht vieles dafür das nachfolgende Geschehnis nicht in die Welt hinauszutragen. Aber letztendlich glaube ich, dass die Art und Weise wie Stefan mit der Situation umgeht, wahnsinnig beeindruckend ist und meinen höchsten Respekt abverlangt.
Alle Jahre wieder (diese Wortwahl ist meiner dreijährigen Nichte geschuldet, die in den letzten Tagen alle gängigen Weihnachtslieder hoch und runter gesungen hat und mir damit gleich mehrere Ohrwürmer implantierte) treffen wir uns am heiligen Abend mit einer Vielzahl junger Männer, um für ein paar Stunden gegen den Ball zu treten (oder gegen was anderes, weshalb man dann Heiligabend in den Notaufnahme verbringt; siehe mein erster Kommentar Strohwitwer). Initiiert hat diese wiederkehrenden, nicht einladungsbedürftigen, Treffen unser ehemaliger Deutschlehrer Stefan. Stefan ist der Pädagoge, der mich (und ganz sicher auch viele andere meiner Weggefährten) während meiner Schullaufbahn wie kein zweiter Lehrkörper (bei Lehrkörper muss ich zwangsläufig immer an Peter Nietnagel denken) geprägt hat. Daher ist es umso schöner, dass sich nach dem Abitur nicht einfach die Wege trennten, sondern mit dem Heiligabendkick ein langfristig verbindendes Element entwickelt hat.
So trafen wir uns auch heuer (tolles Wort! Der Stöger Peter wird es sicherlich auch lieben), sofern ich mich recht erinnere, zum zehnten Mal um zehn Uhr vor der Sporthalle. Zum ersten Mal fuhr auch Stefan mit dem Auto vor (von seinen ehemaligen Schülern kommt nie jemand mit dem Fahrrad. Alle viel zu faul und zu verkatert vom Vorabend, um überhaupt des Fahrradfahrens mächtig zu sein): „Jungs, meine Frau hatte einen Schlaganfall. Ich fahre jetzt ins Krankenhaus und hole sie ab. Mir geht es total dreckig und ich könnte die ganze Zeit heulen. Ich bin jetzt gekommen um euch die Halle aufzuschließen. Das hier ist eine Tradition und Traditionen dürfen nicht sterben. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Die Tradition muss weitergehen.“
Natürlich war die erste Reaktion, dass wir sagten, wir spielen dann auch nicht und machen einfach ein Jahr Pause. Aber Stefan bestand darauf, dass wir spielen. Und das ist der Punkt, der mich so wahnsinnig beeindruckt. Ein Anruf hätte genügt und die Telefonkette (kennt die noch jemand? Super Ding damals vor 20 Jahren. Heute postet man die zu verkündende Nachricht einfach auf Facebook) wäre angelaufen und jeder wäre informiert gewesen. Aber Stefan stellt sich der Situation und demonstriert in dieser für ihn so unheimlich schwierigen Zeit, dass es auch die kleinen Dinge im Leben sein können, die jenes so wertvoll machen. Chapeau! Ich ziehe meinen imaginären Hut vor dieser Einstellung zum Leben. Ich weiß nicht, ob ich das so könnte.

Bis zum Jahreswechsel wird wohl nicht mehr viel Erwähnenswertes passieren. Daher bin ich mal gespannt auf 2014. Es wird einiges passieren. Daher:

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone