#effzehinternational

Vorwort (persönliche Entschuldigung)
Das hier geht an alle Ungeduldigen ich muss mich noch entschuldigen, wegen dem Mangel an Gelegenheiten mich zu huldigen…
Es ist unglaublich, aber es sind tatsächlich fast vier (4!!!) Jahre seit meinem letzten Beitrag vergangen. Wie konnte das passieren?
Nun ja, ich habe in der Zwischenzeit meine privaten und beruflichen Leben auf den Kopf gestellt, verweile seit einem Jahr im mittleren Westen und habe scheinbar ein wenig zu schnell die Zeit davonrasen lassen. Aber es gibt Gründe für meine literarische Rückkehr: Europapokal, wir spielen wieder im Europapokal…

Falsches Sparen
Im Sommer 2003 begann ich zu sparen. Nicht viel, aber jeden Monat ein bisschen. Zeitgleich versuchte man mir in der Berufsschule Weitsicht zu vermitteln. „Rückstellungen“, sagte der damalig für Rechnungswesen und Bilanzierung zuständige Lehrkörper, „sind besonders wichtig, damit zukünftige Aufwendungen, die in Höhe und Entstehung noch ungewiss sind, zukünftig beglichen werden können.“ Eins und eins zusammengezählt bedeutete das, wenn ich nicht sofort Rücklagen für zukünftige Europapokalspiele bilde, droht in absehbarer Zeit die Privatinsolvenz. So weit so gut. Zwar ließen die mageren Jahre der Ausbildung und des anschließenden Studiums das Konto nur in überschaubarem Maße anwachsen, die Notwendigkeit der Rückstellung wurde aber zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt und die monatlichen Einlagen sogar erhöht.
Nun sind es die Jahre der Erfahrung die einen lehren, dass Fehlentscheidungen beizeiten zu korrigieren sind. Europa, da konnte man sich sicher sein, wird es für den großen 1. FC Köln nicht geben, nein, sogar niemals mehr geben. Europapokal, wir spielen nie mehr im Europapokal…
Folgerichtig wurde am 10. Juli 2014 die Rückstellung zugunsten einen 120minütiges Nervenkitzels in Rio de Janeiro aufgelöst. Wenn nicht jetzt wann dann, lautete die Devise und eine ordentliche Stange Geld wanderte von meinem Sparbuch auf das Konto des CocaColaClubs, der den obig angedeuteten Abend voller Spannung per Charterflug möglich machte. Die Entscheidung sollte sich als zunächst sowohl wirtschaftlich als auch emotional als richtig erweisen. Weltmeister! Und die Reserven waren versiegt.

Eines Tages
Nach knapp fünfzehnjährigem Auf und Ab war ich nun nicht mehr trotzdem hier sondern vorrübergehend dort; genauer gesagt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. An sich eine risikolose Entscheidung die keine erneute Bildung von Rückstellungen erforderte. Die Konstante war ungebrochen und ausgerechnet diese Saison wird schon nichts passieren. Aber natürlich passierte was passieren musste: Der FC hat die Chance sich für Europa zu qualifizieren während ich, leidend wie ein Hund, am anderen Ende der Welt und mit den Nerven am Ende auf einem 5 Zoll Mobiltelefon einem Stream verfolgend auf den Straßen von Chicago hoffte und bangte, dass es endlich wieder passieren wird. Dann Jonas Hector, die Erlösung und unendlicher Jubel unweit des Willis Towers. Der erstbeste der meine Freude mit mir teilen musste war ein schwarzer Obdachloser der mehr nach Pisse als nach Bier roch. Aber das kennt man ja von diversen Touren durch die Bundesrepublik. Alles total egal, an diesem Tag wurde Geschichte geschrieben und es war klar, und daran gab es keine Zweifel, dass ich beim ersten Auswärtsspiel international dabei sein werde, komme was wolle.

Hier und jetzt
Die Zeiten des Hungertuchnagens sind mittlerweile vergangen, eine Karte für das erste internationale Auswärtsspiel seit 25 Jahren sollte unproblematisch in der Finanzierung sein. Vielmehr zeigt sich nun die Schwierigkeit der Anreise und ihrer Organisation. Wochenendticket, Bus oder Fahrrad (ein Gruß an die zwei Begleiter die mit mir nach Meppen radelten) fallen aus. Es bleibt nur der Interkotinentalflug, der mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen zur Geldverbrennung verkommt. Aber egal, international. Mittwochs hin, freitags zurück. Ein einfacher und effektiver Plan. Die Rechnung aber ohne den Wirt, äh die Fluggesellschaften gemacht. Und so werde ich zwei weitere Nächte in London bleiben und Europapokalluft einatmen, durch die Straßen schlendern und vor mich hinsingen: wir sind international…
Wer weiß, wann es (für mich) die nächste Möglichkeit dafür geben wird.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone