Die Unendlichkeit des Augenblicks

Jetzt sitze ich also wieder im Flieger und es ist heute das erste Mal auf dieser einmaligen Reise, dass ich wieder ein wenig zur Ruhe komme. Zu intensiv waren die letzten Tage und zu unfähig war ich bislang all das Passierte halbwegs einzuordnen. Diese volle Dröhnung Adrenalin treibt mir auch jetzt wieder, während ich auf meinem Smartphone tippen, Tränen in die Augen.

Diese Gier, diese Hoffnung und dieses Flehen der Sehnsucht nach DEM einen unvergesslichen Moment umtreibt wohl nicht nur mich. Goethe hat ein ganzes Buch darüber geschrieben und er bzw. sein Protagonist hätten es treffender nicht benennen können: „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch du bist so schön. Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“

Die Fesseln haben sich am Donnerstag um mich gelegt. Ich war gefesselt, ich bin gefesselt und ich werde auch wohl noch lange gefesselt sein von Erinnerungen, Emotionen, Glückseligkeit, Dankbarkeit und unendlicher Freude, die in den letzten 50+ Stunden auf mich eingeprasselt sind.

Jahrzehnte haben wir diesen Tag herbeigesungen, haben immer daran glaubt, dass es eines Tages passieren wird. Und so waren sie dann folgerichtig alle in London. Sie, die wir gemeinsam in den letzten 15 Jahren so viele Stunden auf Autobahnen, in Fahrradabteilen und Kneipen verbrachten. Sie, denen kein Weg zu weit war, egal wohin das Leben sie verschlagen hat. Sie, die der eigentliche Grund sind, warum ich mir sportliches Leid und Elend immer wieder antat. Sie, die wir uns auch nach Jahren, in denen wir uns aus der Augen verloren haben, in London um den Hals fielen und auf die Schultern klopfen. Sie, die mit mir sangen, klatschen und unvergessliche Stunden schufen, die viele so schnell nicht vergessen werden. Und natürlich Sie, die in der Nacht und am Tag danach mit mir in Pubs und in den Straßen Londons über alte Zeiten sprachen und in gemeinsamen Erinnerungen schwelgten.

Es war nicht dieser eine Moment, es waren unzählige Momente, die diesem Augenblick eine scheinbare Unendlichkeit verliehen haben.

Meine lieben Freunde, diese Zeilen sind für euch. Denn ohne euch wären es nur 90 Minuten Fußball gewesen. Aber mit euch wurden es Augenblicke für die Ewigkeit.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone