Zurück in der Kurve

Ich fahre jetzt seit elf Jahren aktiv zum FC. Aktiv bedeutet für mich, 17 Spiele und mehr pro Saison. Das ist jetzt nicht eine besonders lange Zeit, da ich ja mittlerweile kein Twen sondern ein Thirt (gibt es diese Einstufung eigentlich oder gilt mal ab 30 grundsätzlich als alt?) bin, sodass vermutlich manch einer nun spöttisch auf mich hinabblickt und auf eine deutlich längere Karriere seinerseits verweist. Allerdings halte ich dem entgegen, dass ich eben nicht aus dem klassischen Kölner Einzugsgebiet entstamme und daher nicht traditionsverpflichtend mit meinem Uropa seit Jahrzehnten regelmäßig in Müngersdorf einkehre.
Dort wo ich geboren und zur Schule gegangen bin, sieht man in der großen Pause mehr oder weniger nur Schals von Borussia Dortmund, Schalke 04, Werder Bremen und Bayern München. In Ausnahmefällen erspäht man auch mal einen Halswärmer vom VfB Stuttgart und dem Hamburger SV. Oder eben einen des 1.FC Köln. Dazu war allerdings ein Blick in den Spiegel nötig.
Dass der 1.FC Köln in jener Zeit sportlichen Erfolg für nicht notwendig erachtete, spielte mir bei meinen Missionarstätigkeiten nicht gerade in die Karten. So erinnere ich mich noch genau an den Moment beim Schulschwimmen in der dritten Klasse, als mir Magnus eröffnete, dass er nun kein 1.FC Köln Fan mehr sei, sondern Werder Bremen Fan. Rückblickend ein einschneidender Punkt in meinem Leben. Magnus war einer von zwei Rädelsführern und damit Meinungsbildner in meiner Klasse. Wäre es um Lieblingscomics oder Lieblingslied gegangen, ich hätte seine Meinung übernommen. Aber ich wurde nicht zum Opportunisten und hielt meinem 1. FC Köln die Treue. Als Neunjähriger war für mich also schon unumstößlich klar, dass es für mich keinen anderen Verein geben kann als den 1. FC Köln.
Zu meinem ersten Bundesligaspiel kam ich dann Anfang 1993, weil ich einen Elfmeter hielt und damit einen Turniersieg ermöglichte, der meinem Fußballtrainer Schnecke eine persönliche Genugtuung war und ich als Dank/Belohnung/Wasauchimmer ein Spiel im Stadion geschenkt bekam. Schnecke hieß eigentlich Andreas, aber so nannte ihn niemand. Schnecke fuhr regelmäßig zum Fußball. Überwiegend nach Gladbach, aber nicht ausschließlich. Wenn es möglich war ein Spiel im Stadion zu sehen, fuhr er hin. Dafür müsste ich mich eigentlich nochmals nachträglich bedanken, weil das ja nun mal nicht selbstverständlich ist. Mich für meinen Teil bringt nämlich nichts in den Gladbacher Fanblock. Darum jetzt hier und jetzt: Danke Schencke.
Nun ja, an jenem Abend verlor zwar der FC (an diesem Tag habe ich gelernt, dass man nicht 1. FC Köln Fan ist, sondern FC-Fan) sang- und klanglos gegen den FCK (als richtiger Fußballfan sagt man nämlich nicht den kompletten Namen eines Vereins, sondern beschränkt sich auf die unter Stadiongängern gebräuchlichen Abkürzungen), aber meine Liebe zu diesem Verein tat es keinen Abbruch. Immer wenn ich jemanden dazu nötigen konnte mit mir zum FC zu fahren, war ich Wochen vorher aufgeregter als zu Weihnachten oder meinem Geburtstag.
In den letzten Monaten musste ich FC-technisch etwas kürzer treten. Es gibt berufliche und private Gründe, die mich daran hinderten, jedes Wochenende im Stadion zu sein. Die beiden Spiele in Hamburg mitgerechnet, habe ich fünf Spiele verpasst, was glaube ich meine längste Serie der letzten elf Jahre ist. So war das Spiel gegen Dresden gestern das erste Highlight. Und ich muss eingestehen, ich war hinsichtlich meiner Kleidungswahl schlecht vorbereitet. In Stadionnähe parkend merkte ich doch recht schnell, dass es an er Kölner Frischluft deutlich kälter war als im Büro im Oberbergischen. Einer der beiden auf halber Fahrstrecke eingesammelten Freunde kommentierte meine Kälteflüche mit einem „sollte nicht so verwunderlich sein im Dezember“.  Der obligatorische rot-weiße Schal konnte zumindest den Hals wärmen, die Jackenkapuze meinen Kopf und die mir glücklicherweise an diesem Spieltag übergebenen Choreo-Handschuhe meine Finger. Blieben nur noch die kalten Füße. Und da hatte der FC ausnahmsweise mal mitgedacht und an diesem Tag die schönen roten Kuschelstoppereffzehsocken im Angebot. Keine fünf Euro und schließlich waren auch meine Füße eingehüllt.
Dass es mir letztendlich auch noch warm ums Herz wurde lag an den elf rot-weißen Göttern auf dem schönsten Grün in Müngersdorf. Das 1:0 sah schon im Stadion sowas von technisch hochkarätig aus, dass ich mich bereits im Moment des Tores auf die Wiederholung im TV freute. Und ja, den kann man mal so machen. Spielerisch überzeugend, wenn auch es schon bessere Spiele in diesem Jahr gab, konnte Dresden samt seines Weltklassetorzwerges besiegt werden. Gut gemacht, ein weiterer Schritt richtig Sonnenseite des Fußballs.

Für den Sonntag in einer Woche habe ich mir mein nächstes Highlight gesetzt. Das letzte Sportliche in diesem Jahr. Wobei es um weitaus mehr geht als um 90 Minuten Fußball.

Erwartend das was kommt!
Moses Psychone